Mentales Training als Stufe der Erfolgsleiter

Der Wille siegt über

weiche Knie

Vor über 25 Jahren begann der Siegeszug des "Mentalen Trainings" im Sport. Der österreichische Nationaltrainer Baldur Preiml setzte als einer der ersten neben körperlichem Training auf die Psyche - und auf Nikolaus B. Enkelmann. Gemeinsam hatten sie Erfolg (Olympia-Gold für die österreichischen Skispringer 1976 in Innsbruck) und machten das "Mentale Training" salonfähig. Heute sind diese Praktiken gang und gäbe, nahezu alle Sportler ergänzen ihre körperlichen mit ihren geistigen Fähigkeiten.

"Der Wille führt zum Erfolg!" - diese Aussage trifft keineswegs nur für den sportlichen Bereich zu. Ob im Privatleben oder im Beruf, mit dem "Wollen" kommt auch das "Können". Was für Spitzensportler am Skihang oder auf der Aschenbahn gilt, das gilt auch für Männer und Frauen in Direktionsetagen, in Konferenzsälen, in Parlamenten, in Versammlungen, in Hörsälen, in Büros oder für Jugendliche im Schulzimmer.

Erfolg ist "machbar"

Die Herausforderungen des täglichen Lebens, die Anforderungen im Beruf verlangen täglich Grenzüberschreitungen. Wer ständig sagt: "Das ist unmöglich" wird nie das Unmögliche möglich machen können. Er hindert sich selbst an der Entfaltung seines Kräftepotentials. Der amerikanische Erfolgstrainer und Geistliche Dr. Robert Schuller sagt: "Wenn Sie erkannt haben, daß nichts unmöglich ist, dann sind Sie frei und in der Lage, die Lösung zu sehen; dann können Sie glauben, daß der Weg zum Erfolg zwar zahlreiche Kurven hat, aber niemals in einer Sackgasse endet." Das bedeutet also, daß jemand, der das Unmögliche akzeptiert, seine Unfreiheit akzeptiert. Innere Freiheit beginnt in dem Moment, wo Grenzen, wo Widerstände und Blockaden nicht mehr als unüberwindbar hingenommen werden.

Im Sport findet man diese These vielleicht am deutlichsten bewiesen. Kein Spitzensportler kommt heute noch allein durch Talent nach oben. Mentale Stärke, die aufbauende psychische Kraft, trägt nach Meinung von Experten und Sportlern einen wesentlichen Teil dazu bei,

daß aus guten Sportlern Sieger werden, während andere, vielleicht sogar talentiertere, auf der Strecke bleiben.

Im Sport wie in jedem anderen leistungsintensiven Beruf spielt die Motivation eine genauso große Rolle wie die innere Einstellung und die Konzentration. Äußerste Konzentration genau zum richtigen Zeitpunkt ist die Formel für Erfolg, sportlich und beruflich.

"Konzentration ist Zielklarheit. Konzentration ist der bedingungslose Wille zum Sieg, Konzentration bedeutet, frei zu sein von störenden Einflüssen und Gedanken, frei von Ängsten und der Vorstellung, es vielleicht doch nicht schaffen zu können," sagt Nikolaus B. Enkelmann, "Konzentration ist "Einpünktigkeit". Nur das eine Ziel, der Sieg, der Erfolg, ist im Augenblick der vollkommenen Konzentration von Bedeutung."

Das setzt voraus, daß Körper und Seele locker und entspannt sind. Verkrampfung ist Widerstand. Der verkrampfte Körper und Geist steht dem Erfolg im Wege. Viele Spitzensportler praktizierten früher Autogenes Training, um den Wettkampf-Streß abzubauen und die Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Manche wenden diese Entspannungsform noch heute an. Doch in der Formel: "Deine Glieder werden schwer" liegt die Gefahr, daß das Energie-, Kraft- und Leistungspotential eher träge und damit gebremst statt aktiviert und zur vollen Entfaltung gebracht wird.

Einheit von Körper, Seele und Geist

Das Mentale Training (= Training des Geistes) ist eine weiterentwickelte Form des Autogenen Trainings, in dem ebenfalls die Einheit von Körper, Seele und Geist als optimales Kraftpotential angestrebt wird. Je harmonischer diese Einheit, desto stabiler und leistungsfähiger ist der Mensch. Angst, Nervosität, Depressionen und Konzentrationsstörungen verhindern diese Stabilität und schaffen Abstand zwischen Unterbewußtsein und Bewußtsein. Das heißt, daß vom Bewußtsein her durchaus der Wille zum Sieg da sein kann, die Blockaden aus dem Unterbewußtsein aber dennoch stärker sind - ein Phänomen, das Spitzensportler zur Verzweiflung treiben kann. Zu Spitzenleistungen kommt es nur, wenn Begabung, körperliches Potential und Umweltfaktoren harmonisch zusammenwirken. In der Praxis sind es selten die körperlichen Grenzen, die den Sieg verhindern. Die Technik lernt jeder Sportler von Kindesbeinen an, Kraft und Kondition sind Trainingssache.

Es gibt genügend Beispiele, wie Ausnahmeathleten in entscheidenden Phasen versagt haben. Jeder Sportler kennt Momente, in denen Nerven, Ängste und Blockaden stärker sind als er selbst.

Beim Mentalen Training kommt es nun darauf an, daß der Wille zum Sieg und die Umweltprägung sich harmonisch verbinden und die inneren Kräfte entfaltet werden. Deshalb sind die zwei Hauptbereiche des Mentaltrainings:

Steigerung des Selbstbewußtseins zur Stabilisierung des Charakters und Steigerung der Lernfähigkeit zur Stabilisierung der Konzentration - dabei wird in vier Stufen vorgegangen:

Die 1. Stufe: Gewöhnen an Ruhe

Viele Menschen glauben, daß der Zustand der vollkommenen Entspannung nur in einer absolut ruhigen Umgebung, möglichst im Liegen, in einem abgedunkelten Zimmer und mit geschlossenen Augen erreicht werden kann. Aber sowohl im Sport als auch im hektischen Berufsleben ist man darauf angewiesen, jederzeit und unabhängig von äußeren Reizen, aus einem Streß-Zustand - auch "Beta"-Zustand genannt - in den entspannten "Alpha"-Zustand zu gelangen. Jede Suggestion, die das Unterbewußtsein nun erreicht, ist eine systematische Programmierung des unbewußten Gehirns.

Die 2. Stufe: Wachsenlassen der Ruhe und Steigerung der Konzentrationsfähigkeit

Wer fest an etwas glaubt, ist unerschütterlich. Zum Ziel führt nur der Glaube, die tiefe innere Überzeugung. Konzentration auf ein Ziel bedeutet, nur das aufzunehmen, was zur Erreichung dieses Zieles notwendig ist. In der Entspannung kommt die Erkenntnis über das, was wichtig und interessant ist. Entspannung ist deshalb der erste Schritt zur Selektion.

Nicht in der Normalität zeigt sich die Fähigkeit zur Gelassenheit, sondern in Krisen und Extremsituationen. Der gelassene Mensch ist ein Mensch, der auch in extremen Lagen ruhig und entspannt sein kann und zu einem Höchstmaß an Konzentration fähig ist.

Die 3. Stufe: Abbau von Hemmungen, Verkrampfungen und Ängsten

Jeder Spitzensportler wird seine Muskulatur zuerst auf die Höchstleistung einstimmen, die ihm im Wettkampf bevorsteht. Er wird sich "warmlaufen", "warmspielen", seine Muskeln, Sehnen und Bänder dehnen und strecken. Nicht anders ist es mit der Psyche. Jede Verkrampfung und Verhärtung, also jede Hemmung und jede Angst, blockieren die Leistungsfähigkeit. Auch die Seele muß weich, warm, dehnungsfähig und belastbar sein, um ihre optimale Konzentrationskraft entfalten zu können. Nur wer frei ist von Ängsten, Hemmungen und Verkrampfungen, ist zur Mobilisierung all seiner Kraft- und Energiereserven in der Lage.

Angstfreiheit = Entscheidungsfreiheit = Willensstärke!

Die 4. Stufe: Verstärkung der Belastbarkeit und Aktivierung des Siegeswillens

Von einem Spitzensportler wird ein Höchstmaß an Belastbarkeit erwartet. Nur wer sich abschirmen kann gegen nervliche Anspannung und die streßreiche Atmosphäre eines Wettkampfes, wird zur Weltspitze zählen. Positiver Streß ist sinnvoll und entscheidend für den Sieg. Der belastbare Mensch verwandelt Streß in Konzentration. Mit Hilfe des Unterbewußtseins ist jeder Mensch zu beruflichen und sozialen Höchstleistungen fähig. Wer sein Unterbewußtsein mit Aufgaben betraut, macht es zu seinem besten Mitarbeiter.

Alles, was dem Unterbewußtsein einprogrammiert wird, bleibt auf Dauer haften. Mit schlafwandlerischer Sicherheit arbeitet der unbewußte Teil des Gehirns für die Erfüllung unserer Ziele und Wünsche. Die ständig wiederholte Autosuggestion "Ich kann, was ich will" aktiviert das Unterbewußtsein in die entsprechende Richtung. Der eigene Wille und der Glaube, daß man erreichen kann, was man sich vornimmt, werden gestärkt. Bewußt getroffene Entscheidungen des Willens werden unterbewußt realisiert.

Das Mentale Training fördert diese Grundvoraussetzungen für Erfolg - oder aktiviert sie bei Menschen, die bisher noch nicht in der Lage waren, ihre physischen und psychischen Fähigkeiten optimal zu entfalten. Konsequentes Training der Psyche stabilisiert den Willen zum Sieg und nimmt die Angst vor der Niederlage.

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